Veränderungen – Im Gespräch mit…

21.05.2020 | Persönliches

In meinem Job geht es immer um’s Aussehen. Und ganz oft um Frauen. Was liegt also näher, als sich dem Thema mal von einer anderen Seite zu nähern? Weiblicher Selbstwert ist untrennbar verknüpft mit unserem Äußeren – innere Veränderungen gehen immer mit äußeren einher – und umgekehrt. Und weil das Thema so komplex ist, habe ich beschlossen, eine Reihe von Expertinnen zu befragen.

Heute mit Stefanie Fink, Systemische Coach und Expertin für Veränderungen und berufliche Erfüllung.
Martina: Stefanie, dein Thema ist die Veränderung, spezifisch die berufliche Veränderung von Frauen. Welche Kundinnen kommen zu dir und was sind ihre Themen?

Stefanie: An mich wenden sich Frauen, die sich in ihrem Job fehl am Platze fühlen. Sie können sich mit ihrem beruflichen Umfeld nicht identifizieren, müssen sich durch den Arbeitstag kämpfen und würden gern etwas anderes tun, etwas, das sie erfüllt, das ihnen mehr Sinn stiftet. Allerdings haben sie Angst. Ihr künftiger Weg ist ihnen noch nicht klar, sie wissen noch nicht genau, was sie können und wollen.

Selbstzweifel spielen eine große Rolle. Ihnen fehlt das Selbst-bewusstsein, also das Bewusstsein über sich selbst und damit auch das Vertrauen in sich selbst. Würdest Du einer Person vertrauen, die Du kaum kennst, mit der Du Dich noch nie beschäftigt hast?

Martina: Wie bist du zu deinem Thema gekommen – hast du selbst eine Veränderungs-Geschichte?

Stefanie: Ohja, mein Leben ist geprägt von Veränderung! Ich bin mit 18 von zuhause weggezogen, weil ich sehr unzufrieden war. Aber Überraschung – ich habe mich selbst mitgenommen und dasselbe an einem anderen Ort wieder aufgebaut. Es war eher eine Flucht. Eine wahrhafte Veränderung kam erst, als ich mit 27 für 9 Monate allein Neuseeland bereist habe und mich dabei kennen und lieben gelernt habe… und die Reise ist bis heute nicht vorbei.

Ähnlich ist es auch in meinem Beruf gewesen. Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn 4 Mal den Job gewechselt – innerhalb von wenigen Jahren. Ich habe mich – wie meine Kundinnen auch – fehl am Platze gefühlt, ungerecht behandelt und sehr gelangweilt bis total überfordert und unglücklich. Erst als ich meinen letzten Job total verzweifelt nach 6 Monaten gekündigt habe – weil es für mich echt nicht mehr so weiter ging – habe ich mich auf die Reise gemacht und mich getraut, einen etwas anderen Weg zu gehen.

Meine Werte, meine Persönlichkeit, meine Stärken und Fähigkeiten kann ich heute in meinen Job als Coach ausleben und entfalten. Ich habe meine berufliche Erfüllung gefunden.

Veränderungen
Veränderungen
Martina: Ich habe zum Thema Veränderungen natürlich auch ganz viele Geschichten im Kopf – aber bei mir beziehen sie sich auf die äußere Veränderung – in meiner Arbeit sehe ich täglich, dass unser Erscheinungsbild komplett variabel ist – wir könnten jeden Tag eine andere Maske aufsetzen. Wie tauchen äußerliche Veränderungen bei deinen Kundinnen auf? Was beobachtest du?

Stefanie: Das ist eine interessante Frage. Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen, speziell Frauen, gern Geld für Dienstleistungen ausgeben, die sichtbar sind, wie beispielsweise eine Friseurbesuch, eine Maniküre oder Fitness- und Ernährungstrainer. Beim Coaching geht man davon erstmal nicht aus.

Allerdings gibt es beim Coaching ebenfalls sichtbare Veränderungen im Äußeren, auch wenn der eigentliche Wandel erst innerlich stattfindet.

Je näher meine Klientinnen ihrem Ziel und damit sich selbst kommen, desto zufriedener und gelöster werden sie. Das sieht man an ihrer Ausstrahlung, sie sehen entspannter aus, haben eine aufrechtere Haltung und wieder viel mehr Lust, sich selbst auszudrücken und zu zeigen.

Martina: Warum sind wir Frauen häufig so selbstkritisch und haben so hohe Ansprüche an uns: Perfektes Aussehen, super Job, super Mutter, klasse Freundin, tolle Partnerschaft… welcher kleine Dämon erzählt uns diesen ganzen Blödsinn vom perfekten Leben, wie kommen wir darauf?

Stefanie: Ich glaube, das kommt zu einem großen Teil durch den Vergleich mit anderen Personen in Verbindung mit unserer selektiven Wahrnehmung. Von der superschlanken Freundin sehen wir ihr Aussehen und beneiden sie darum – sehen aber nicht, wieviel Verzicht dahintersteht, vielleicht auch eine Essstörung? Von der tollen Mama sehen wir nur ihr Verhalten als Mutter, aber nicht, dass sie vielleicht dadurch ihre Freundinnen total vernachlässigt. Die Freundin, die Karriere macht, sehen wir, aber nicht, wie sie ihre Familie vernachlässigt.

Wir picken uns immer das vermeintlich Perfekte heraus.

Und wir selbst sind auch darauf getrimmt, in jedem Licht so gut wie möglich dazustehen. Wir wollen uns immer von der besten Seite zeigen. Ich glaube, würden wir einfach mal alle unsere Masken abziehen und offen darüber reden, dass wir Herausforderungen haben, dass uns nicht immer alles gelingt, dass wir auch alle Selbstzweifel haben, inspirieren wir andere dazu, auch mal schwache Momente haben zu dürfen.

Veränderungen
Martina: Ich habe selbst schon Fälle erlebt, bei denen ich das Gefühl hatte, Make-up und Hairstyling sind regelrecht therapeutisch für meine Kundinnen – weil sie einfach gar kein Bewusstsein mehr dafür haben, dass sie schön aussehen können.
Das ist so traurig, denn meine Philosophie ist ja: Es geht nicht ums Zuspachteln oder Wegschminken, sondern um die Freude daran, die eigene Schönheit zu feiern und zu unterstreichen. Was möchtest du deinen Kundinnen gern vermitteln, was ist das Wichtigste, das du ihnen auf den Weg gibst?

Stefanie: Das Allerwichtigste ist, dass jede Frau ganz sie selbst sein darf – nein sogar muss. Jede von uns hat ihre eigenen Erfahrungen, Stärken, Schwächen, Prägungen, Vorlieben, Bedürfnisse. Jede von uns ist ein einzigartiges Meisterwerk. Es lohnt sich, dieses Meisterwerk kennen und lieben zu lernen, es zu pflegen und sorgsam auf es einzugehen. Denn nur wenn Du es so kennst und liebst, wie es ist, kannst Du auch die richtigen Entscheidungen treffen, aus Dir selbst heraus. Das gilt sowohl für das passende Makeup, als auch den Traumberuf.

Martina: Und noch eine philosophische Frage zum Schluss: Was ist für dich Schönheit?

Stefanie: Ich glaube nicht, dass man Schönheit definieren kann. Alles und jeder ist schön, auf seine ganz eigene Art und Weise, aber nunmal nicht für jeden.

„Schön ist, was man mit Liebe betrachtet“

lautet ein Zitat von Christian Morgenstern. Ich glaube, da steckt sehr viel Wahrheit drin.

Veränderungen
Veränderungen
Danke, Stefanie, für deine ausführlichen und erhellenden Antworten!

Stefanie Fink ist ausgebildete und zertifizierte Systemische Personal und Business Coach. Sie lebt in Stuttgart und bietet ihre Coachings sowohl dort vor Ort als auch online an. Ihre Mission ist es, Frauen dabei zu unterstützen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und nach ihren Wünschen zu gestalten.

Hier geht es zu Stefanies Website und ihrem Instagram Account.

 

Liebe Grüße, 

Martina

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