Schön schlagfertig – Im Gespräch mit…

08.06.2020 | Persönliches

In meinem Job geht es immer um’s Aussehen. Und ganz oft um Frauen. Was liegt also näher, als sich dem Thema mal von einer anderen Seite zu nähern? Schön schlagfertig möchten wir doch alle sein. Oder lieber schön und schlagfertig. Geht doch auch, oder?

Heute mit Caroline Timmermann, Business- und Führungskräftecoach und Expertin für selbstbewusste Kommunikation. Mit Caroline das Thema zu erörtern ist die reinste Freude. Los geht’s!

Martina: Caroline, bei dir geht es um Karrierecoaching für Frauen. Da ist Selbstpräsentation und souveränes Auftreten ein Riesenthema. Welche Kundinnen kommen zu dir und was sind ihre Anliegen?

Caroline: Zu mir kommen Frauen, die schon einige Jahre Berufserfahrung in Unternehmen haben oder am Anfang ihres Berufslebens stehen. Diese sogenannten Young Professionals und High Potentials haben teilweise schon viel in ihre Qualifikation investiert: Kraft, Zeit und Geld. Sie planen ihren persönlichen und beruflichen Lebensweg. Die Vereinbarkeit von Familie und Job spielt bei manchen eine Rolle. Einige beschäftigen sich mit ihrer neuen Führungsrolle oder wollen Konflikte besser lösen.

Sie stellen fest, dass es gar nicht so einfach ist, die notwendige Anerkennung zu bekommen, obwohl es richtig tolle, kluge Frauen sind.

Oft sind sie eher bescheiden und hauen nicht so gerne auf den Putz, sondern überzeugen lieber durch Leistung und Kompetenz. Das kann ganz schön anstrengend sein, besonders in einem technischen Umfeld. Da rund achtzig Prozent aller Führungskräfte Männer sind, geht es manchmal auch um Gender-Themen. Aber dominante Chefinnen können ebenfalls eine Herausforderung darstellen! Und Frauen werden häufig nicht ihrem Marktwert entsprechend bezahlt.

schön schlagfertig
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Martina: Du hast ja selbst auch lange im Personalmanagement gearbeitet und kennst das Thema von beiden Seiten. Was sind die typischen „Fehler“, die Frauen in ihrem Auftritt machen, was erlebst du immer wieder?

Caroline: Wenn Frauen diese wunderbaren Eigenschaften wie Diplomatie, Einfühlungsvermögen, Bescheidenheit übertreiben, und zu wenig von sich „zeigen“, dann kann das wirklich von Nachteil sein. Ein typischer Fehler: nicht klar zu sagen, was man möchte, sondern höfliche Andeutungen machen und dann davon ausgehen, dass der andere das verstanden hat.

Was mir auch oft begegnet: Frauen machen sich oft unsichtbar und unhörbar.

Sie arbeiten beispielsweise richtig hart und hoffen, dass ihre Leistung von den Entscheidern gesehen wird und eines Tages anerkannt werden wird. Dann ist es mehr als frustrierend, wenn weniger kompetente Kollegen karrieremäßig oder gehaltlich an dir vorbeiziehen.

Ich habe in meiner eigenen Laufbahn immer mal wieder Frauen getroffen, die sagen „Ich bin intelligent und möchte auch so wahrgenommen werden. Also verzichte ich darauf, mich „hübsch“ zu machen, damit sich nicht alle darauf konzentrieren“. Das macht mich immer völlig fassungslos. Woher kommt diese komische Denke, dass eine Frau nicht attraktiv UND intelligent sein kann? Es geht doch beides. Wie erklärst du das?

Ich sehe da zwei Extrempositionen. Ganz sicherlich ist es völlig unangebracht, sich aufzudonnern oder zu sexy zu stylen. Dann sage ich gerne „Bitte lenken Sie nicht von Ihrer Kompetenz ab.“ Was genau anders herum schade wäre, wenn sich eine Frau bewusst oder unbewusst „unsichtbar“ macht: keine Schminke, farblose Kleidung, leise Stimme. Die angebrachte Version beschreibe ich mal als gepflegt. Gerne kann man sich auch schminken. Ein gepflegtes Erscheinungsbild, wie es im Personalanzeigen-Deutsch heißt, ist beispielsweise im Kundenkontakt ganz wichtig. Klares Statement von mir: attraktiv UND intelligent geht!

Martina: Wenn ich also möchte, dass die Welt erkennt, dass ich eine Powerfrau bin – was ist das Wichtigste, das ich tun muss – was rätst du deinen Kundinnen?

Caroline: Erlaube dir selbst, diese Powerfrau zu sein. Erlaube dir, nicht Everybodies Darling sein zu müssen. Du bist eine wunderbare Frau, auch wenn du mal aneckst oder der ein oder andere dich kritisch sieht. Ganz konkret empfehle ich, aktiv und klar zu sagen, was du erreichen möchtest.

schön schlagfertig
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Martina: Ich finde es genial, dass du u. a. auch Schlagfertigkeit trainierst. Gibt es da einen tollen Tipp bzw. einen Spruch, der immer geht, wenn ich gar nicht mehr weiterweiß? Schön schlagfertig wollen wir doch alle gern sein.

Caroline: Ja, es gibt ganz viele Möglichkeiten, die viel einfacher sind, als die meisten von uns denken. Wenn ich mich jetzt hier für einen Tipp entscheiden muss, dann ist es die „Empathie-Brücke“. Das geht so: angenommen, du wirst verbal angegriffen und es verschlägt dir die Sprache. Jetzt sagst du „Ich möchte ganz sicher gehen, dass ich Sie richtig verstanden haben. Sie haben gesagt, dass …“ An dieser Stelle wiederholst du einfach wörtlich die Verbalattacke und fügst die Frage hinzu „Was genau meinen Sie damit?“

Auf diese Weise reagierst du zunächst mal souverän und eben nicht sprachlos, der andere fühlt sich durch den wertschätzenden Einstiegssatz nicht angegriffen und dann spielst du mit deiner Frage deinem Gegenüber den Ball zurück. Jetzt ist er wieder dran und du gewinnst Zeit zum Nachdenken.

Martina: Es gibt den bekannten Ausspruch: „Man kann nicht nicht kommunizieren“ Und in den meisten Gesprächssituationen geht es darum, dass wir uns selbst gut verkaufen – im wahrsten Sinn des Wortes. Wie erlebst du Frauen in Gehaltsverhandlungen – was sind die typischen Fehler?

Caroline: Die beiden häufigsten Fehler bestehen darin, dass Frauen ihre Gehaltsforderung zu niedrig ansetzen oder gar nicht erst eine Gehaltserhöhung einfordern. Statistisch liegen Frauen etwa zwanzig Prozent unter ihrem Marktwert.

Martina: Warum haben wir Frauen häufig Probleme damit, „laut“ zu sein und klare Forderungen zu stellen – alles Erziehung?

Caroline: Da spielt ganz sicher unsere „gute Erziehung“ mit rein. Noch immer spielen Rollenklischees in der Sozialisation eine wichtige Rolle. Mädchen werden häufiger als Jungs zu Bescheidenheit, Zurückhaltung, Hilfsbereitschaft und Selbstlosigkeit erzogen. Das sind alles zunächst mal positive Charaktereigenschaften, die allerdings dazu führen können, dass es Frauen schwer fällt, sich klar zu positionieren, auch mal Nein zu sagen und die eigenen Bedürfnisse genauso zu wichtig zu nehmen wie die der anderen.

Martina: Was meinst du, werden wir mit zunehmendem Alter gelassener, was unser Aussehen betrifft oder machen wir uns noch mehr verrückt, weil die ganzen sogenannten “Alterserscheinungen“ dazukommen? Oder ist es einfach eine Typfrage?

Caroline: Ich glaube, dass es sehr von der Persönlichkeit abhängt. Es gibt vermutlich beides und alle Mischformen. Ich finde es eine wichtige Aufgabe für jede Frau, hierfür ihren eigenen Weg zu finden. Kennst du auch diesen Typ Frau, die ganz viel Persönlichkeit, Temperament, Intelligenz, Ausstrahlung oder menschliche Wärme mitbringt, so dass man kaum auf ihr Aussehen achtet oder sie einem irgendwie schön vorkommt? Das finde ich richtig toll.

Martina: Wie bist du selbst zu deinem Thema gekommen? Welche Botschaft möchtest du Frauen mit auf den Weg geben?

Caroline: Wenn ich früher in meinen ersten Berufsjahren all das gewusst hätte, was ich heute weiß, dann hätte ich es viel leichter gehabt. Deswegen liegt es mir richtig am Herzen, Frauen auf ihrem Weg zu unterstützen, dass sie es ein Stück leichter haben.

Meine Botschaft: du bist schon gut, so wie du bist!
schön schlagfertig
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Martina: Und noch eine philosophische Frage: Was ist für dich Schönheit?

Caroline: Da würde ich gerne unterscheiden zwischen innerer und äußerer Schönheit. Was äußere Schönheit betrifft, bin ich Ästhetin und freue mich an schönen Dingen in jeder Hinsicht. Wirklich zeitlos finde ich innere Schönheit, und das Wunderbare ist, dass wir alle schon wunderschön auf die Welt gekommen sind.

Martina: Danke, Caroline, für deine ausführlichen und erhellenden Antworten!

Caroline Timmermann, Expertin für selbstbewusste Kommunikation
www.caroline-timmermann.com/

Als Business Coach unterstütze ich Frauen dabei, ihre Ziele selbstsicher zu kommunizieren und die berufliche Anerkennung zu bekommen, die sie sich wünschen und verdienen. Ich habe jahrelang in großen Konzernen und im Mittelstand gearbeitet, war HR-Managerin und bin Karrierecoach an einer Wirtschaftshochschule. Mit meinem fundierten Erfahrungsschatz aus der Praxis und dem Wissen, welche Key-Tools wirklich funktionieren, begleite ich Frauen auf ihrem Weg zum beruflichen Erfolg und zur persönlichen Balance.

Caroline Portrait

Liebe Grüße, 

Martina

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