Pflanzliche Öle – Im Gespräch mit…

07.05.2020 | Naturkosmetik, Persönliches, Vegane Kosmetik

Pflanzliche Öle – in der Naturkosmetik wird sehr viel mit ihnen gearbeitet – ein faszinierendes Feld! Und weil ich es selber so spannend finde, habe ich mich mit einer Expertin zum Thema unterhalten, Julia Falkenstein, Aromatherapeutin und Expertin für Duft und Kommunikation

Julia: Vielen Dank für deine Anfrage und dein Interesse an den Ölen, liebe Martina!

Martina: Julia, pflanzliche Öle sind so ein riesiges Thema – erzähl mal, welche verschiedenen Sorten und Anwendungsgebiete gibt es? Und natürlich: Was bietest du an?

Julia: In der Tat: die Auswahl ist riesig, so riesig wie die Natur!

Nicht jede Pflanze produziert die wirksamen ätherischen Öle, aber doch tausende weltweit.

Davon gibt es ca. ein paar hundert im Handel – und von diesen wiederum einige, die besonders oft verwendet werden (z. B. die „Klassiker“ echter Lavendel, Pfefferminze, Tea Tree u.a.m.), andere bleiben stark geschätzte therapeutische „Exoten“.

Aber welches Öl auch immer: Die Pflanze produziert diese Öle – die z. T. aus über 400 einzelnen Zutaten bestehen! – als Kommunikationsmittel, zur Abwehr von Fressfeinden. Sie haben also große Kraft, und die können wir für uns nutzen.

Um von den ätherischen Ölen zu profitieren, können wir sie über eine Duftlampe, einen Diffuser/Vernebler in die Raumluft geben. Wir können sie inhalieren, wir können sie in die Haut einmassieren, wir können sie über Kapseln oder Zäpfchen in den Körper aufnehmen. Da die Öle sehr stark und zum Teil auch (haut-)reizend sein können, sollte die Anwendung immer mit einer/m Aromaexpert*in abgestimmt sein! Vor allem schwache oder sehr junge Menschen sind ganz vorsichtig zu behandeln, damit es nicht zu Haut- oder sogar Atemreaktionen kommen kann!

Daher berate ich meine Kund*innen zu ihrem speziellen Balance- oder Gesundheitsthema, und stelle ein Paket an Ölen und passenden Rezepten für die persönliche Anwendung zusammen. Ich begleite den Prozess in regelmäßigen Gesprächssitzungen. Neben der 1:1-Beratung gebe ich (in Nicht-C-Zeiten) auch Workshops. In denen können meine Kundinnen (auch in Gruppen von Freundinnen) sowohl über die Öle lernen als auch selbst mischen! Um meine Community trotz Kontaktsperre zu erreichen, mache ich aktuell Lives auf den Sozialen Medien, was sehr gut ankommt, und arbeite an einem Online-Webinar.

Martina: Was ist für deine Kunden besonders wichtig? Wer kommt typischerweise zu dir?

Julia: Zu mir kommen vorwiegend Frauen, die sehr erfolgreich zwischen Job und Familie (Kinder/Beziehung) hin und her jonglieren und dadurch wenig Zeit für sich, für die eigene Balance haben. Sie wünschen sich mehr Zeit für kleine Auszeiten, mehr Kraft im täglichen Job und zuhause, und gleichzeitig auch präventiv Gesundheit für sich und ihre Familie. Impulse für mehr Sinnlichkeit in der Partnerschaft sind auch ein großes Thema.

Martina: Vielleicht mal ein ganz praktisches Beispiel: Wie gehst du vor, wenn jemand Schlafstörungen und deshalb Konzentrationsschwierigkeiten hat und dabei Unterstützung sucht – was fragst/empfiehlst du?

Julia: Nun, Schlafstörungen sind ein Riesenfeld. Es gibt Leute, die nicht einschlafen, andere die nicht durchschlafen. Es gibt stressbedingte Schlafstörungen und hormonbedingte. Das bedeutet, dass ich im Erstgespräch ganz genau die Umstände, die Abstände, die Mechanismen des Nicht-Schlafen-Könnens aufdecke. Danach schaue ich, welche Routinen die Kundin hat – vor dem Einschlafen. Wie können wirkungsvolle ätherische pflanzliche Öle in diese persönliche Routine integriert werden?

Aus dem Gespräch habe ich oft bereits eine Vorstellung davon, welche Öle für diesen Typus Mensch funktionieren könnten. Ich schicke diese sowie die Anwendungsrezepte dann an die Kundin. Nach drei bis vier Wochen wird gemeinsam evaluiert, was gut geholfen hat, was nicht, ob noch etwas fehlt. Und so erreichen wir Schritt für Schritt die bestmögliche persönliche „Haus-Aroma-Apotheke“ für die Kundin, und sie weiß auch genau, wie sie sie einsetzen kann.

Aromaöle
Martina: Hast du einen Geheimrezept-Tipp für uns, den du selbst gerne magst und auf den du immer wieder zurückgreifst?

Julia: Oh ja! So viele! 🙂 Bei mir muss alles immer hell, strahlend, fröhlich sein, und daher arbeite ich wahnsinnig gern mit Zitrusdüften, vor allem Grapefruit, Orange, Mandarine. Sie beleben, heben die Stimmung, versetzen einen sofort an einen sonnigen, warmen Ort – es ist wahnsinnig toll und aufbauend, sie zu nutzen.

Gern mache ich mir ein Spray aus Rosenhydrolat, Grapefruit, Orange, Lorbeer und Zeder. Das ist mein persönlicher „Feel Good Manager“!
Martina: Und hast du ein absolutes Lieblingsprodukt, das du immer wieder empfiehlst und auch selbst immer wieder nutzt?

Julia: Mein absolutes Lieblingsprodukt ist, dass ich kein Lieblingsprodukt mehr habe! Ich kaufe so gut wie keine Kosmetik oder Medizin mehr, sondern mische alles selbst. Es ist so einfach! Und man braucht viel weniger. Zudem ist es natürlich viel umweltschonender, weil die Verpackungen wegfallen. Was ich besonders praktisch finde, ist Cremes gegen „Schüttelmixturen“ auszutauschen. Dabei mischt man pflanzliche Öle (Jojoba, Mandel, Avocado, Aloe Vera – was auch immer, es sollte optimal zur eigenen Hautsituation passen) mit Pflanzenwassern (auch Hydrolate genannt, ich liebe Rose, aber auch Geranienhydrolat, es gibt sooo viele!). Dieser Mix gibt Fett UND Feuchtigkeit und ist wahnsinnig praktisch und wirksam in der Anwendung. Ich finde es gibt nichts Besseres.

Martina: Worauf sollte man generell achten, wenn man pflanzliche Öle kauft?

Julia: Es ist ganz wichtig, natürliche pflanzliche Öle in Bio-Qualität zu kaufen und auf nachhaltigen Handel zu achten. Viele Kleinbauern in den Anbauländern werden durch den Rohstoffkampf weltweit einfach ganz krass übervorteilt, doch es gibt viele gute Gegenbeispiele von Firmen, die seit Jahrzehnten auf Kooperationen setzen und die Farmer dort unterstützen.

Bio ist absolut wichtig allein für die Umwelt, aber auch den eigenen Körper.

Wenn natürliche ätherische Öle mit Mineralölen oder Mineralölrückständen gemischt sind (das passiert leider bei preiswerten Ölen immer wieder, weil sie falsch gelagert sind, oder vielleicht auch aus Preisgründen mit synthetischen Ölen versetzt) gelangen beide – natürliche und nicht natürliche – Bestandteile in den Körper, und die Mineralöle werden dann nicht abgebaut, liegen also im Körperinneren fest und können dort Allergien oder Krankheiten auslösen. Die natürlichen Öle rein aus nicht-behandelten Pflanzenteilen hingegen werden vom Körper zu 100% abgebaut.

Martina: Ich habe gehört, es gibt auch Einsatzmöglichkeiten bei Aufregung und Stress, z. B. vor einem Vorstellungsgespräch oder (für meine Kundinnen hochinteressant!) vor einer Hochzeit. Hast du da einen tollen Tipp?

Julia: Bei Aufregung oder Stress sollte die Kundin es erstmal mit Lavendel fein versuchen – das ist quasi überall erhältlich und beruhigt die Nerven auf sehr schöne Weise. Wer es würzig mag, dem rate ich zu Angelika, einer großen, starken Pflanze mit bis zu 3 m langen Wurzeln, aus denen auch das Öl gewonnen wird. Angelika gibt Halt in stürmischen Zeiten, nur der Duft ist etwas ungewöhnlich. Aber in einer Mischung, vielleicht mit einem Zitrus- und einem Blütenduft gemischt ist er wunderbar – und die Wirkung ist wirklich super.

Und beim Vorstellungsgespräch oder einem schwierigen Gespräch empfehle ich Neroli – einen Blütenduft aus einer Zitruspflanze, der Bitterorange. Er macht selbstbewusst und froh – so dass einem kein Gegenüber mehr etwas anhaben und man einfach man selbst sein kann.

Aromaöle
Aromaöle
Martina: Ich will natürlich auch ein bisschen was Persönliches wissen. Pflanzliche Öle – wie bist du zu ihnen gekommen bzw. sie zu dir? Was fasziniert dich vor allem an deinem Thema?

Julia: Oh – ich hatte schon als Teenager ein großes Faible für Teebaumöl! Damals konnte man das als quasi Einziges neben Japanischem Minzöl in Deutschland in Drogerien kaufen. Ich nahm es intuitiv für alles: Hautprobleme, als Deoersatz unter den Achseln 😀 und vor allem gegen Halsschmerzen zum Gurgeln!

Erst Jahre später machte ich Bekanntschaft mit dem ganzen Spektrum der Aromatherapie – bei einer schwedischen Freundin, die mir bei einem medizinischen Notfall auf einmal ihren großen Koffer voller Aromaöle zeigte, und dann auch sehr wirkungsvoll die Lösung meines Problems in Tropfenform auf einen Löffel Honig träufelte. Die Beschwerden waren wirklich nach 15 Minuten vollkommen verschwunden und ich wusste: Das muss ich mir genauer anschauen!

Wir lebten damals in Belgien, und der Schritt zu meinen ersten Aroma-Fortbildungen war dann schnell gemacht.

Seitdem bin ich „hooked“ und seit meiner Ausbildung zur ärztlich geprüften Aromaexpertin vor einem Jahr endlich auch wissenschaftlich in diesem Thema angekommen.

Tea Tree ist immer noch eins meiner Lieblingsöle, denn es hat so viele Anwendungsmöglichkeiten! Allerdings schaue ich im Moment, wie ich eine mehr regionale Art der Aromaanwendung aufbauen kann, denn auch lokal oder regional wachsen so viele Heilpflanzen, aus denen auch Öle gewonnen werden, die sehr, sehr wirkungsvoll sind. Mein Traum ist es, irgendwann nur noch mit Ölen mit geringem Reiseweg und CO2-Ausstoss zu arbeiten.

Martina: Dir sind auch Themen wie Nachhaltigkeit und Veganismus wichtig. Ich hatte mich damals schon lange mit Naturkosmetik beschäftigt und bin dann über die vegane Ernährung erst zur veganen Kosmetik gekommen. Was kam bei dir zuerst, wie fing es an?

Julia: Oha – bei mir fing die vegane Ernährung bereits 2002 an – da lebte ich mit meinem damaligen Mann in New York, und wir hatten viele vegane Freunde. Ein Novum damals für mich. Doch gab es dort auch total viele vegane Produkte, die das „Umschwenken“ für mich leichter machten. Aber ein entscheidender Auslöser war für mich zu sehen, wie ganz viele coole Leute vegan lebten, nicht der stereotype abgeblasste Veganer, sondern ganz im Gegenteil Party People und crazy Kreative. Da habe ich gedacht: Da kann ich gern mitmachen, und besser für Flora und Fauna ist es eh. Darüber ist dann ein weitgefächertes Bewusstsein für Natur und Umwelt gewachsen, und dass die Öle jetzt dort mit reinspielen, ist natürlich für mich ein Triple Plus.

Martina: Und noch eine philosophische Frage zum Abschluss: Was ist für dich Schönheit?

Julia: Schönheit ist für mich Strahlen von innen. Freude, Achtsamkeit, Kraft und Genuss führen dich dorthin.

Martina: Danke, Julia, für deine ausführlichen und erhellenden Antworten!

 

Julia Falkenstein ist Expertin für Aromatherapie, Beraterin für die Anwendung ätherischer Öle, Vortragsreferentin und Workshopleiterin. Als working mom von drei Kindern lebt und arbeitet sie in Berlin. Ihre Kenntnisse um Aromaöle hat sie in Frankreich, Belgien und Deutschland aufgebaut und kombiniert verschiedene internationale Schulen der Aromatherapie.
www.juliafalkenstein.de

Liebe Grüße, 

Martina

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