Clean Beauty

27.03.2020 | Cool Products, Naturkosmetik, Vegane Kosmetik

Clean Beauty – dem Begriff kann man gar nicht mehr entgehen

Online-Shops und Kaufhäuser haben auf einmal Clean-Beauty Abteilungen, in Zeitschriften gibt es Shopping-Tipps für Clean Beauty, auf jeder zweiten Verpackung steht irgendwo Clean Beauty drauf. Meine Güte, was ist denn los? Und was wollen die Hersteller uns eigentlich damit sagen?

Die eindeutige Antwort lautet: Kommt drauf an. Clean Beauty kann alles und nichts bedeuten.

Im Zuge der Bemühung von Kunden, nachhaltiger, grüner und gesünder einzukaufen, ist es erstmal nur ein Marketing-Begriff. Lustigerweise habe ich den folgenden Absatz in mehreren verschiedenen Online-Shops gleichlautend gefunden:

“Clean heißt: “Frei von” – aber nicht “Besser als”. Clean heißt nicht: vegan, green oder frei von synthetischen Inhaltsstoffen – clean bedeutet: frei von den am häufigsten kritisierten Inhaltsstoffen (berechtigt oder unberechtigt)“

Oha. Wer hier von wem abgeschrieben hat, kann ich natürlich nicht sagen… Aber man kann schon sehen, die Definition ist ziemlich unscharf.

Clean (= sauber) assoziiert ein gutes Gewissen.

Ich kaufe Produkte ein, die sauber in jeder Hinsicht sind. Aber was bedeutet sauber in dem Fall? Ich würde zwei verschiedene Klassen von Produkten unterscheiden.

Zum einen:

Solche, die es wirklich gut meinen, also z. B. noch weitere Zertifizierungen haben (Veganblume, CrueltyFree Häschen etc.), aber nicht als Naturkosmetik zertifiziert werden können, weil sie z. B. synthetische Wirkstoffe, Konservierer o. ä. verwenden.

Das muss nicht zwingend schlecht sein, die Naturkosmetik kommt im Bereich der sog. Wirkstoffkosmetik schnell an ihre Grenzen, sämtliche Cosmeceuticals (=Produkte, die Kosmetik und Medizin verbinden, Cosmetics + Pharmaceuticals) haben Inhaltsstoffe, die nicht aus Pflanzen extrahiert werden können, sondern synthetisch im Labor hergestellt werden müssen. Auch das ist nicht unbedingt schlecht.

Zum anderen:

Es gibt aber auch solche, die auf den Clean Beauty Zug aufspringen, weil es gut für’s Marken-Image ist. Viele – vor allem nicht-europäische – Marken tragen dieses Label vor sich her, wenn sie schlicht keine zertifizierte Naturkosmetik nach europäischem Standard sind, sondern eben konventionell – hier muss man streckenweise sehr aufpassen, was wirklich drinsteckt.

Was sich clean nennt, ist eben „nur“ der Verzicht auf bestimmte vom Hersteller selbst gewählte Inhaltsstoffe, die begründet oder unbegründet in Verruf geraten sind.

Obacht: Die Fronten sind hier teilweise sehr emotional verhärtet, es gibt für viele Inhaltsstoffe eine Pro- und eine Contra-Fraktion, die sich gleichermaßen heftig gegenseitig beschuldigen, keine Ahnung zu haben und nicht ausreichend Studien vorweisen zu können.

Typische Inhaltsstoffe, auf die verzichtet wird, sind z. B. Mineralöle (Nebenprodukte der Erdöldestillation, z. B. Petrolatum, Paraffinwachs, flüssiges Paraffin), Parabene (Konservierungsstoffe, z. B. Ethylparaben, Butylparaben, Isopropylparaben, Methylparaben), Silikone (z. B. Dimethicone, Methicone, Polysiloxane und Cyclomethicone) oder Mikroplastik. In zertifizierter Naturkosmetik sind diese übrigens alle samt und sonders nicht gestattet.

Übrigens: Clean Beauty kann sich auch auf das Verpackungskonzept oder die Umweltverträglichkeit eines Produktes beziehen.

Manche Inhaltsstoffe sind nach aktuellen Erkenntnissen für Mensch und Haut gut verträglich, aber dramatisch schlecht für die Umwelt, weil sie nicht biologisch abbaubar sind und sich in Gewässern ansammeln. Auch ein Aspekt, der gern mal vergessen wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Idee hinter Clean Beauty ist gut und richtig. Allein die Definition ist schwierig, weil jeder Hersteller selbst entscheidet, was er unter Clean Beauty versteht. Das Problem kennen wir aus der Naturkosmetik ganz allgemein, im Grunde ist es dort genau dasselbe, der Vorteil hier: Es gibt die zertifizierte Naturkosmetik, die einheitliche Standards und entsprechende Labels hat, das macht es also etwas einfacher.

Der einzige gemeinsame Nenner: Clean Beauty ist immer tierversuchsfrei. Das ist doch schon mal was… Aber Achtung: Nicht zwingend vegan. Schaut euch zukünftig eure cleanen Produkte einfach ein bisschen genauer an.

Liebe Grüße, 

Martina

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