Was ist da eigentlich drin?

Neulich sagte mir eine Freundin, als sie von meinem Koffer-Veganisierungs-Experiment gehört hatte: „Wie ohne Tierprodukte? Ich dachte, Kosmetik ist immer ohne Tierprodukte?“ Da fiel mir erstmal auf, dass ich früher wahrscheinlich genauso geantwortet hätte. Deshalb vielleicht eine kleine Erklärung dazu, was es eigentlich heißt, nach veganen Kosmetikprodukten zu suchen:

Damit ein Produkt als vegan bezeichnet werden kann, muss es

1.  frei von tierischen Inhaltsstoffen sein. Beim Hühnergeschnetzelten ist das relativ leicht zu durchschauen, beim Brötchen schon weniger. Bei Kosmetik ist es bei manchen – eventuell noch prominent ausgelobten – Inhaltsstoffen auch leicht zu erkennen, z. B. bei Kaviar oder Gelee Royale, Buttermilch oder Bienenwachs. Bei Keratin, Kollagen, Karmin oder Lanolin ist die Sache schon ein bisschen trickreicher. Wer weiß denn schon, was das genau ist? Und selbst wenn, was macht die Farbe aus zerquetschten Läusen in meinem Lippenstift oder das gemahlene Knochenmehl in meiner Creme? Wer in der Hinsicht total schlau werden will, schaut einfach hier. Aber seid gewarnt, ihr werdet euch wundern, wie lang die Liste ist!

Das ist aber noch nicht alles. Denn

2.  muss das Produkt tierversuchsfrei hergestellt worden sein, die Herstellerfirma muss also glaubhaft versichern, dass sie selbst keine Tierversuche durchführt oder in Auftrag gibt und auch bei ihren Lieferanten darauf achtet. Das schränkt die Auswahl schon sehr ein und schließt fast alle großen Konzerne aus. Hinzu kommt, dass einzelne Marken (wie z. B. Urban Decay) zwar tierversuchsfrei sein können, aber zu einem Mutterkonzern gehören (in dem Fall L’oréal), der Tierversuche durchführt.  Bei den Naturkosmetikherstellern kann man sich zwar meist sicher sein, dass sie tierversuchsfrei (oder englisch: cruelty free, der Begriff wird sehr häufig verwendet) sind, das heißt aber nicht, dass alle Produkte im Sortiment vegan sind. Im Gegenteil, die Produkte von – beispielsweise – Dr. Hauschka enthalten nach eigener Aussage u. a. Bienenwachs, Lactose, Milcheiweiß, Propolis, Honig, Honigwabe, Seidenpulver, Suesswasserperle, Wollwachs und Carmin. Im Make-up Bereich hat der Hauschka-Kunde nur die Auswahl zwischen vier oder fünf veganen Produkten – nicht gerade viel.

Dies also mal als kurze Übersicht zum Thema. Alles klar soweit?