Ein etwas anderes Jahresrésumé

MATERIAL_274_940x440Anfang 2014 habe ich mit dem Versuch begonnen, meinen Arbeitskoffer zu veganisieren. Ohne Stress und so nebenbei – da mir einfach die Zeit fehlt, das Ganze „in einem Rutsch“ anzugehen. Ich hatte selber keine Ahnung, wie das Projekt sich so entwickeln würde. Immerhin: Gute Kosmetikprodukte, die auch für den Profi-Bereich geeignet und trotzdem vegan (also frei von tierischen Produkten UND cruelty-free, also tierversuchsfrei) sind, können doch nicht so schwer zu finden sein, oder?! Nun ja. Ich wurde eines Besseren belehrt.

Insgesamt ist das Angebot – vor allem der großen Player der Kosmetik – enttäuschend. Das liegt natürlich auch daran, dass all die großen etablierten Firmen zu gigantischen Konzernen gehören und diese – logischerweise – nicht vegan sind, weil sie es sich gar nicht leisten wollen, auf entsprechende Tierversuche und Inhaltsstoffe zu verzichten.

Wusstet ihr, dass allein zu L’Oréal Marken wie Biotherm, CCB Paris, Essie, Garnier, Giorgio Armani, Helena Rubinstein, Kiehl’s, Lancôme, Maybelline / Jade, Shu Uemura, The Body Shop, Urban Decay und YSL Beaute gehören? Dazu noch einige friseurexklusive Marken wie Kerastase, Redken, L’Oréal Professionnel sowie Apothekenmarken wie Vichy, La Roche Posay, Roger & Gallet, Sanoflore, Skinceuticals, Innéov und diverse Düfte, wie z. B. Ralf Lauren, Cacharel, Viktor & Rolf, Stella McCartney, Diesel. Und das ist längst nicht alles…

Zum Estée Lauder Konzern beispielsweise gehören u. a. Aveda, Bobbi Brown, Bumble & Bumble, Clinique, Estée Lauder, GoodSkin Labs, La Mer, M.A.C., Michael Kors, Origins, Smashbox, Tom Ford sowie diverse weitere Pflegen und Düfte.

Und das sind jetzt nur zwei Beispiele. Falls ihr wissen wollt, zu wem eure Lieblingsmarke gehört, einfach das www befragen, es gibt haufenweise Artikel zu diesem Thema – auch aus dem Lebensmittelbereich (das ist auch hochspannend!).

Darüber hinaus gibt es natürlich Kosmetikhersteller, die auch einen Fuß in der Pharmabranche haben, wie Weleda oder Wala (die Dr. Hauschka vertreiben). Hier sind die Kosmetiksparten cruelty-free, die Arzneimittelsparten – aus naheliegenden Gründen – nicht. Solche Grautöne gibt es an vielen Stellen. The BodyShop ist nach wie vor tierversuchsfrei, der Mutterkonzern L’Oréal nicht. Wo man hier jeweils die Grenze zieht, ist sicherlich sehr verschieden.

Am 11. März 2013 trat die letzte Stufe des Ausstiegs aus den Tierversuchen für Kosmetika in Kraft. In der EU dürfen demnach weder kosmetische Endprodukte, noch Kosmetik-Rohstoffe an Tieren getestet werden. Zudem ist die Einfuhr tiergetesteter Produkte und Inhaltsstoffe aus Nicht-EU-Ländern untersagt. Hört sich gut an. Es gibt allerdings haufenweise Ausnahmeregelungen. Viele Rohstoffe können “aus medizinischem Interesse” oder im Rahmen der Chemikalien-Verordnung weiterhin an Tieren getestet und in der Kosmetik eingesetzt werden. In verschiedenen Bereichen (Medizin, Grundlagenforschung, Militär etc.) werden unverändert Tierversuche durchgeführt.

Auch nervt die Verschleierungstaktik vieler Firmen, man findet oft nur über Umwege heraus, ob Produkte vegan sind oder nicht. Es wäre um vieles einfacher, wenn alle Firmen ihre Produkte gleich kennzeichnen würden, wie es ja durchaus einige tun. Sicherlich kennt ihr alle das kleine Vegan-Blümchen, das auf vielen Produkten von alverde, lavera etc. aufgedruckt ist. Oder in manchen Online-Shops, z. B. von Barry M., in denen vegane Produkte mit einem grünen V oder einem cruelty-free-Häschen gekennzeichnet sind. Ideal sind Firmen wie OCC oder kett, die offen erklären, dass sie vegan und cruelty-free sind.

Tja, was nun? Im Grunde lässt sich an vielen Stellen lediglich das kleinere Übel wählen (ist wie bei den Bundestagswahlen – hähä!).

Da ich aber schon geahnt habe, dass mein Projekt bis Ende 2015 dauern würde, ist ja gerade mal die Hälfte der Zeit um! Und ich habe auch noch einige vielversprechende Marken und Produkte auf dem Test-Schirm, insofern besteht Hoffnung!

Zudem ist das Thema aktuell sehr präsent und die Hersteller reagieren oft schnell – ebenso wie in den Berliner Restaurants überall vegane Essensangebote sprießen. Eine erfreuliche Entwicklung. Genau wie die neuen Lebensmittelkennzeichnungen, z. B. für Allergene. Dass die Kennzeichnung hinsichtlich der Vermeidung tierischer Produkte nicht weit genug geht, ist ein anderes Thema. Wer wissen will, wie die aktuelle Regelung ist, schaut hier.

Die Wege sind lang. Das heißt aber nicht, dass man nicht losgehen sollte.

Frohes neues Jahr!