Ach, Sie sind Artistin?

Diesen niedlichen Spruch sagte vor Jahren zu Beginn meiner Laufbahn mal ein netter Herr zu mir, der mich für eine Trapezkünstlerin oder etwas ähnliches hielt. Damals war das Berufsbild des Make-up Artist noch weitgehend unbekannt. Inzwischen ist der Beruf in aller Munde (das ist der Beweis: Fernsehen bildet also doch… 😉 )

Zugegeben: Es gibt eine regelrechte Begriffsverwirrung rund um das Berufsbild. Maskenbildner, Make-up Artist, Visagist, Stylist – ja, was ist denn nun was? Um die Verwirrung komplett zu machen, wird international nur vom Make-up Artist gesprochen, die feinen Unterteilungen in einzelne Sparten gibt es nur bei uns. Ach Deutschland, du machst immer alles so kompliziert…

Allerdings werden auch hierzulande alle Begriffe synonymisch verwendet. Man kann im Zweifel also wenig falsch machen. Falls ihr aber trotzdem wissen wollt, was richtig ist, hier mal ein kleiner Crash-Kurs:

Lesen bildet

Wer lesen kann, ist immer klar im Vorteil… 😉

Der Maskenbildner ist in Deutschland ein anerkannter Ausbildungsberuf, der im dualen System absolviert wird. Nichtsdestotrotz gibt es auch private Schulen, die ausbilden. Der Maskenbildner arbeitet klassischerweise meistens am Theater, beim Film und beim Fernsehen und hat den intensivsten handwerklichen Background, knüpft Perücken und Bärte, erstellt Masken, schneidet Haare etc. Maskenbilder ist also eine geschützte Berufsbezeichnung, es dürfen sich nur Leute so nennen, die eine entsprechende Ausbildung haben.

Der Make-up Artist ist in Deutschland die abgespeckte Version des Maskenbildners – ohne den handwerklichen Hintergrund – meist spezialisiert auf den Fotobereich. Make-up Artists frisieren auch, sind aber nicht  zwingend Friseure (manchmal aber schon). Dieses Berufsbild ist nicht geschützt, im Grunde kann sich also jeder so nennen. Die Ausbildungsdauer variiert sehr stark, das Maximum ist meist ein Jahr, es gibt aber auch Ausbildungen in Modulen. Die Länge sagt nicht unbedingt etwas über die Qualität aus. Und natürlich gibt es hier – wie in allen künstlerischen Berufen – auch sehr talentierte Autodidakten. Aber das ist ein anderes Thema… 😉

Visagisten beschäftigen sich eigentlich ausschließlich mit Make-up, nicht mit Haaren. Mittlerweile hat sich der Begriff aber so stark durchgesetzt, dass meist davon ausgegangen wird, dass Visagisten auch frisieren können. Muss aber nicht sein! Diese Berufsbezeichnung ist ebenfalls nicht geschützt, Visagist können sich auch Menschen nennen, die einen Wochenendkurs gemacht haben – auch hier ist die Praxis König.

Und der Stylist? Tja, der hat mit der ganzen Sache eigentlich gar nix zu tun, Stylisten sind die Personen, die sich am Set um Kleidung und Accessoires kümmern, mit Make-up und Haaren haben die also wirklich nichts am Hut. Der Begriff wird daher häufig falsch verwendet.

Alles klar?